Sonntag, 23. Oktober 2016

"Spring doch"


Im thüringischen Schmölln hat sich ein 15-jähriger Somalier durch einen Sprung aus dem Fenster im fünften Stock einer Flüchtlingsunterkunft das Leben genommen. Die Medien berichteten darüber. Nachbarn erfreuten sich an dem Schauspiel, einige filmten oder fotografierten es mit ihren Smartphones und aus der Menge soll auch der Ruf zu vernehmen gewesen sein: „Spring doch“.
Diese Menschen als Tiere zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung für die Tiere. Sie als Menschen zu respektieren, weigere ich mich. Es ist eine Schande, was seit einiger Zeit in diesem Land geschieht – und immer wieder werden die krassesten Fälle von Menschenverachtung aus jenem Teil Deutschlands berichtet, das vor einem Vierteljahrhundert dank der Solidarität des anderen Teils Deutschlands aus dem Dreck geholt wurde.
Es gibt keine Entschuldigung und schon gar keine Rechtfertigung für diese Gefühlskälte und Brutalität – verbal oder brachial – mit der hier immer wieder auf die Not anderer Menschen reagiert wird. Man mag den Fremden, die seit kurzem in größerer Zahl bei uns Zuflucht suchen, mit Vorbehalten begegnen. Sie schaffen Probleme und sie bringen auch noch eine ganze Menge Probleme mit sich. Zum Spaß springt ein Fünfzehnjähriger nicht aus dem Fenster. Aber es sind Menschen. Und gerade dies wird ihnen von diesen kleingeistigen, innerlich kaputten Barbaren streitig gemacht. Die meisten von diesen würden eine Katze vor dem Ertrinken erretten, aber einen Jungen zum Suizid zu ermuntern, das ist okay.
Ich will es nicht mehr hören, dieses larmoyante Gerede von den „Abgehängten“. Das sind schlicht Barbaren, bei denen auch noch der letzte Rest von Menschlichkeit und Mitgefühl verkümmert ist. Sie gehören ausgegrenzt und an den Pranger gestellt. Es wird endlich Zeit, dass die Anständigen aus der Deckung kommen und Farbe bekennen. Und bitte nicht wieder eine Lichterkette mehr! Wir müssen laut werden, um das Geschrei des entmenschlichten Pöbels zu übertönen. Dieses Pack ist nicht das Volk. Aber dafür muss das Volk endlich aufwachen. Immerhin droht gerade eine Gesellschaft vor die Hunde zu gehen, für die bis vor kurzem noch Humanität und Mitmenschlichkeit ein hohes Gut waren.






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