Mittwoch, 5. August 2015

Wieso die Rede vom "Auferstandenen" problematisch ist


Ich scheue mich, von Jesus/Christus, dem Auferstandenen zu sprechen, oder von Jesus nach seiner Auferstehung. Viel lieber spreche ich nüchtern von Jesus nach seinem Tod, nach seiner Hinrichtung usw.. Ich möchte damit Auferstehung weder leugnen noch auf irgendeine Weise entmythologisieren. Viel mehr will ich mit dieser Zurückhaltung das Eigentliche dessen, was mit Auferstehung gemeint ist, bewahren. Auferstehung ist nämlich nicht ein weiteres Ereignis im Schicksal Jesu, das man auf der Zeitachse irgendwo nach seinem Tod einzeichnen könnte. Jesus von Nazareth ist immer schon auch der Auferstandene. Das ist es ja auch, ganz abgesehen von der Quellenlage, was die Grenzen der Rückfrage nach dem historischen Jesus ausmacht. Der Jesus, der predigend und heilend durch Galiläa zieht, ist ebenso der Auferstandene wie der Jesus, der mit einem Schrei am Kreuz stirbt. Deshalb ist es durchaus konsequent, wenn die Evangelien etwa Berichte wie den von der Verklärung als Ereignisse im vortodlichen Leben Jesu darstellen. Auferstehung ist weniger ein Ereignis als vielmehr eine Qualität von Person und Schicksal Jesu.
Was ich damit sagen will, ist dies: die paranormalen Erfahrungen, die etlichen unter Jesu Anhängern nach dessen Tod mit Jesus widerfuhren, verweisen nur darauf, dass Jesu Botschaft von der nahe herbei gekommenen Herrschaft Gottes durch seinen Tod nicht desavouiert wurde, sondern dass vielmehr Jesu Tod ein entscheidendes Ereignis der nahe herbei gekommenen Gottesherrschaft war. Das ist nun allerdings eine Behauptung, die einer Erklärung bedarf. Nüchtern betrachtet ist es doch so, dass in der Ermordung Jesu göttliche Macht vor Menschenmacht kapituliert. So betrachtet scheitert Jesus mit seiner Mission und Gott selbst wird ins Unrecht gesetzt. Anders wenn man den Gedanken zulässt, dass sich im Todesschicksal Jesu eine Macht offenbart, die von ganz anderer Qualität ist als menschliche Macht. Eine Macht, die jede menschliche Macht ins Unrecht setzt. Der Tod Jesu ist das eschatologische Ereignis schlechthin. Im Tod Jesu triumphiert die Ohnmacht Gottes über die Macht der Herrschenden. Das ist die Erfahrung, die hinter der „Auferstehung“ steht. Die „Torheit des Kreuzes“ von der Paulus an einer Stelle spricht, stellt die gesamte Werte-Skala auf den Kopf.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Im Römerbrief steht die gute Botschaft der Auferstehung sehr gut beschrieben.