Donnerstag, 6. August 2015

Der lästige Geruch der Armut


Selig seid ihr Armen, denn euch gehört das Reich der Himmel“
(Jesus, jüdischer Wanderprediger, hingerichtet um 30 u.Z. bei Jerusalem wegen Störung der öffentlichen Ordnung)
Okay, Rabbi, die Armen ins Himmelreich und wir haben endlich wieder Ruhe.
Die wollen aber gar nicht ins Himmelreich, die wollen nach nach Deutschland. Dabei sind das oft ja gar keine wirklichen Flüchtlinge. Die sind nicht gefoltert oder vergewaltigt worden. Denen ist nicht das Dach über dem Kopf weggeschlossen worden. Denen geht es bloß nicht so gut. Die haben halt keine Arbeit und viele Kinder zu Hause und Eltern und Großeltern, und Onkel und Tanten und Neffen und Nichten, die auch keine Arbeit haben und natürlich auch keine Rente und nicht einmal HartzIV. Das sind eben nur Wirtschaftsflüchtlinge. Die sind illegal. Aber legal oder illegal, denen ist das scheissegal.
Da hilft auf Dauer keine Schleierfahndung und auch keine Zäune, es sei denn elektrisch geladene … Die kommen trotzdem, immer wieder, aus dem Balkan und aus Afrika übers Mittelmeer. Mare Nostrum, unser Meer nannten es die Römer. Das ist jetzt ihr Meer und ihr Friedhof. Euch gehört das Reich der Himmel. So hat er das wohl nicht gemeint, der Rabbi aus Nazareth. Keine Frage: Mit Bibelsprüchen kommt man dem Problem nicht bei. Also lassen wir die frommen Sprüche und reden Klartext.
Man kommt der neuen Völkerwanderung von Süden nach Norden nicht dadurch bei, dass man unterscheidet zwischen Flüchtlingen, die auf Grund von Krieg und Bürgerkrieg oder wegen ihrer Religion, ethnischen Zugehörigkeit oder sexuellen Orientierung verfolgt oder bedroht sind, für die haben wir ein ganz passables Asylrecht. Und jenen, die abschätzig Wirtschafts- oder Armutsflüchtlinge genannt werden. Man löst das Problem auch nicht mit einem Einwanderungsgesetz, das zwischen jenen unterscheidet, die uns nützlich sein könnten und den anderen, der menschlichen Ausschussware. Ab ins Mittelmeer mit denen, oder was?

Wir stehen gegenwärtig vor einer Situation, deren Brisanz offensichtlich noch gar nicht in ihrer ganzen Tragweite erkannt wird. Wir sprechen von Flüchtlingen und meinen in Wirklichkeit Bettler. Die Gutherzigen unter uns fühlen sich gedrängt zu helfen. Das ist lobenswert, aber es ist dennoch ein Missverständnis. Die Hunderttausende, die im Augenblick nach Europa drängen wollen nicht Barmherzigkeit, sie wollen Gerechtigkeit. Sie bitten nicht, sie fordern. Legal oder illegal, das ist scheissegal! Sie fordern ihr Menschenrecht auf ein Leben in Würde ein. Der lästige Geruch der Armut weht plötzlich in unsere Wohnzimmer.

Keine Kommentare: