Dienstag, 27. Mai 2014

Der gute Hirte


Der gute Hirte folgt der Herde.
Denn seine Schafe wissen,
auf welcher Weide das fetteste Gras wächst.

Samstag, 24. Mai 2014

Das Charisma des Ungehorsams


Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt.(Apg 2,46-47. (Einheitsübersetzung)

Frau Martha Heizer (67), ehemals Religionspädagogin an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck und Vorsitzende der katholischen Reformbewegung WIR SIND KIRCHE in Österreich war ungehorsam. Zusammen mit ihrem Mann und einigen Gleichgesinnten versammelte sie sich wiederholt zum Brotbrechen nach dem Beispiel Jesu von Nazareth und der jungen Gemeinde der Jesus-JüngerInnen in Jerusalem (s.o.). Allerdings war bei diesen Zusammenkünften kein katholischer Priester anwesend, der die Wandlungsworte über die Gaben von Brot und Wein sprach und damit sicherstellte, dass – was ehedem Brot und Wein war – nun zu Leib und Blut Jesu gewandelt wurde. Die Anwesenden verließen sich nach den Worten von Frau Heizer vermessener weise darauf, dass der Heilige Geist auch ohne Priester eine Möglichkeit finden würde, die Gaben zu verwandeln. 

Ganz arglos waren die Feiernden bei ihrem Unternehmen wohl nicht, denn Frau Heizer machte ihr Tun 2011 in mehreren Interviews öffentlich, wohl wissend, dass sie damit eine Reaktion der Kirchenbehörde provozierte. Immerhin ist die Feier einer Eucharistie ohne gültig geweihten katholischen Priester eines der schwersten Vergehen, die das Kirchenrecht kennt, und zieht eine automatische Exkommunikation, also Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft, nach sich. 

Der Bischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, beileibe kein Ketzer-Jäger, konnte nicht anders als ein Verfahren gegen Frau Heizer und ihren Mann einzuleiten. Immerhin lautet sein Wahlspruch Der Geist macht lebendig, aber doch bitte nicht so.

Um nicht in den Verdacht der Befangenheit zu geraten, wurde das Verfahren von der Diözese Vorarlberg durchgeführt, die Ergebnisse dann nach Innsbruck an den dortigen Bischof übergeben und von diesem an die Glaubenskongregation in Rom weitergeleitet, wie es Vorschrift war. Diese sprach jetzt in einem Dokument die Exkommunikation des Ehepaars Heizer aus, das dem Bischof von Innsbruck zugeschickt wurde. Als Bischof Scheuer das Dokument an die Heizers übergeben wollte, verweigerten diese kurzerhand die Annahme und der gute Bischof stand ziemlich belämmert da. Frau Heizer bekräftigte auch ihre Absicht, private Eucharistiefeiern ohne Priester auch in Zukunft wieder gelegentlich durchzuführen, wenn sie diese auch seit einiger Zeit unterlassen hätten.

Auch unter Reformkatholiken findet die Aktion der Heizers nicht ungeteilte Zustimmung, wenn auch manche das harte Vorgehen der Glaubenskongregation kritisieren. Fairerweise muss man feststellen, dass die Kirchenbehörde juristisch gar keine andere Möglichkeit hatte, als die Exkommunikation festzustellen. Dogmatisch stellten Eucharistiefeiern ohne Priester einen Angriff auf ein Herzstück der katholischen Glaubenslehre dar.

Ohne Beispiel sind derlei Veranstaltungen allerdings nicht. Zuzeiten der kommunistischen Repression etwa in der damaligen Tschechoslowakei und teilweise heute noch in den Untergrund-Gemeinden in China wurden und werden solche Feiern von der Kirche stillschweigend toleriert. Ähnliches wird meines Wissens auch schon aus dem Japan früherer Jahrhunderte berichtet. Und in den Weiten des Amazonas in Brasilien, wo vielleicht einmal im Jahr ein Priester vorbeikommt, sind priesterlose Eucharistiefeiern der Normalfall. Aber man spricht nicht darüber und folgt dabei einem katholischen Grundsatz: Tue Verbotenes, aber sprich nicht darüber! Ob derlei Provokationen hierzulande das geeignete Mittel sind, um gegen den Priestermangel in der katholischen Kirche zu protestieren und die Zulassungsbedingungen zum Weiheamt zu verändern mag man bezweifeln. 

Dennoch finde ich das Zeichen, das Frau Heizer und ihre Gesinnungsgenossen gesetzt haben, wichtig und richtig. Es ist nämlich – ob sie sich dessen bewusst waren oder nicht – ein Angriff auf die Hierokratie, die Priesterherrschaft, in der römisch-katholischen Kirche. Die Eucharistie ist das zentrale Herrschaftssymbol des katholischen Klerikalismus. Nur ein geweihter katholischer männlicher Priester kann die sakramental wirksamen heiligen Worte über Brot und Wein sprechen. Patriarchat und Hierarchat gehen in der Eucharistie die innigst denkbare Verbindung ein. Wer Eucharistie ohne Priester feiert, der stellt die Kirche vom Kopf auf die Füße. Wir sind Kirche eben!