Samstag, 30. November 2013

Aus Freude am Evangelium


Ich habe das Schreiben Evangelii Gaudium von Papst Franziskus gelesen. Wenn ich mich recht erinnere, ist es das erste päpstliche Dokument seit Mater et Magistra von Johannes XXIII., das ich überhaupt zur Kenntnis genommen habe. Franziskus versteht es, auch in seinem ersten amtlichen Dokument, den Leser für sich einzunehmen. Selbst, wenn man ihm nicht in allen Punkten folgen mag. Selbst wenn man seine theologischen Positionen nicht teilt. Selbst, wenn man sich gelegentlich an den wie mit einem Salzstreuer zwischen die eigenen Überlegungen eingestreuten Schriftzitaten stört. Sie bringen in der Regel keinen Erkenntnisgewinn, ersetzen bloß die eigene Argumentation.
Aber, auch wenn Franziskus in Theologie und Sprache sich unverkennbar auf traditionellen Spuren bewegt, man spürt: hier spricht nicht einfach der Heilige Vater, das Oberhaupt der Katholischen Kirche, hier lässt uns der Mensch Bergoglio an dem teilhaben, was ihm ganz persönlich Herzensanliegen ist. Das sollte durchaus nicht als Kritik an seinem Vorgänger verstanden werden. Es ist eben das ganz eigene Charisma dieses Mannes, dass er offensichtlich in jeder Begegnung immer ganz er selber ist und das Amt hinter den Menschen zurücktritt. Es ist dies in der gegenwärtigen Situation der Katholischen Kirche ganz gewiss ein großer Gewinn. Und es ist nicht auszuschließen, dass dies das Einzige sein wird, was von seinem Pontifikat Bestand haben wird: dem Papstamt jenseits von allem folkloristischen Firlefanz ein menschliches Antlitz zu geben.