Montag, 22. April 2013

Der Schmerz Gottes


Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Mit diesem Aufschrei, einem Zitat aus dem 22. Psalm, lässt Markus Jesus am Kreuz sterben. Dieses Wort ist die dichteste Aussage über das Geschehen auf Golgatha überhaupt.
Mit seinem letzten Atemzug schreit Jesus seine Gottverlassenheit in die Welt hinaus. Aber gerade in diesem Aufschrei des sterbenden Jesus von Nazareth wird Gott Ereignis. In der Gottverlassenheit Jesu wird Gott selbst gekreuzigt, weil die Gottverlassenheit des Menschen Jesus von Nazareth der äußerste Schmerz Gottes ist.
Der in der menschlichen Verzweiflung anwesende Gott erleidet einen Schmerz, der wahrhaft göttlich ist, weil es der Schmerz der Liebe ist. In keinem Augenblick ist Gott näher bei Jesus, als in diesem Augenblick von Jesu Gottverlassenheit. Das ist der Schmerz Gottes. Gott leidet an der Gottesverlassenheit Jesu und Gott erleidet die Gottverlassenheit Jesu. Gott ist nicht Gott in seiner Allmacht, Gott ist Gott in seiner Liebe. Liebe aber macht verwundbar. Liebe riskiert sich. Gott riskiert sich.