Freitag, 30. November 2012

Advent - Erinnerung an ein offenes Versprechen


Ich meine, wir sollten nicht mehr von Jesus Christus sprechen. Wir sollten uns angewöhnen, von Jesus, dem Christus, zu sprechen. Christus ist nämlich keineswegs der Familienname eines gewissen Jesus aus Nazareth. Christus ist vielmehr eine immer noch uneingelöste Verheissung. Christus ist Erinnerung an die Zukunft Gottes. Paradoxerweise ist der Christus, was uns mit den Juden verbindet und zugleich entzweit. Wir nennen ihn Christus, sie nennen ihn Maschiach/Messias. Leider reden wir seit zweitausend Jahren aneinander vorbei, wenn wir vom Christus/Maschiach reden. Wir behaupten: Jesus von Nazareth war's, sie sagen: Er war's nicht! Streiten verbindet, sagt man. Im Fall von Juden und Christen stimmt dies allerdings überhaupt nicht.
Wie wär es mit einem Kompromiss: Vielleicht war er's doch? Aber das müsste sich erst noch erweisen. Maranatha! Wir Christen haben uns etwas zu schnell von der Zukunft verabschiedet, als wir den Artikel, der Jesus und Christus verbindet/trennt, einfach gestrichen haben. Alles, was zählt ist schon geschehen: Christus ist auferstanden, wir sind erlöst, das war's! Und es gab eine Religion mehr.
In wenigen Tagen ist Advent. Advent ist mehr als Glühwein und baumelnde Weihnachtsmänner an Hauswänden und von Balkonen. Advent ist die Zeit, Gott daran zu erinnern, dass da noch eine Verheissung offen ist.Maranatha!

Freitag, 23. November 2012

Christkönigsfest


In der Katholischen Kirche schließt das liturgische Jahr am kommenden Sonntag mit dem Christkönigsfest, desgleichen in den anglikanischen und in vielen englischsprachigen evangelisch-lutherischen Kirchen. Das Fest wurde von Papst Pius XI. zum Abschluss des Heiligen Jahres 1925 zur Feier des 1600-jährigen Jubiläums des Konzils von Nicäa eingeführt. Es war die Antwort des katholischen Lehramtes auf den Zusammenbruch der großen europäischen Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland als Folge des 1.Weltkriegs. Man tut Pius XI. vermutlich nicht Unrecht, wenn man dahinter auch ein gewisses Misstrauen gegen die Ablösung monarchischer durch demokratische Regierungsformen vermutet. Wobei ja in der Tat das, was auf den Zusammenbruch des deutschen und des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs und des russischen Zarenreichs folgte, alles andere als viel versprechend war.
Dem Verfall monarchischer Autorität im Politischen stellte PiusXI. die absolute Autorität des Königs Christus entgegen. Eine Autorität, die der Papst durchaus nicht als rein spirituell verstand, sondern als grundlegend für und über jeder politischen Autorität stehend. In Deutschland bot das Christkönigsfest gerade jungen Katholiken die Gelegenheit, in Feiern und Prozessionen gegen den Führerkult des Nationalsozialismus anzukämpfen. Allerdings gingen die Christkönigsfahnen der jungen Jubel-Katholiken sehr schnell im Meer der Hakenkreuzfahnen unter. Selbst im stock- katholischen Niederbayern vermochte der Christkönigskult nicht zu verhindern, dass ein junger Josef Ratzinger wie fast alle katholischen Jungen und Mädchen zwangsweise in die Hitler-Jugend eingegliedert wurden.
Vor allem aber konnten deutsche Katholiken hingebungsvoll das Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat singen und dabei die Augen vor der Tatsache verschließen, dass die Volksgenossen ihres gefeierten Königs millionenfach in Auschwitz, Buchenwald oder Treblinka ausgerottet wurden. Dort an diesen Orten des Grauens unter seinen Brüdern und Schwestern hätte man Christus, den König, finden können, den Spottkönig mit der Dornenkrone auf dem Haupt und dem Galgen des Kreuzes im Hintergrund, nicht aber in den goldenen Monstranzen auf festlich geschmückten Altären. Der Christkönigskult ist ein Beispiel dafür, wie religiöse Symbole statt zu einer konstruktiven Bewältigung der Wirklichkeit zu deren Vernebelung führen und so letztendlich zu einer frommen Farce werden.
Seit der Liturgiereform 1970 wird das Christkönigsfest statt wie ursprünglich am letzten Sonntag im Oktober am letzten Sonntag des Kirchenjahres gefeiert. Der Triumphalismus von ehedem ist inzwischen abgeklungen. Das Königtum Christi wird jetzt vornehmlich als Zielpunkt einer verheißenen messianischen Zukunft Gottes gedeutet. Auch tritt die jeder weltlichen Macht zuwiderlaufende Machtlosigkeit des Königs mit Dornenkrone und Spottmantel wieder stärker in den Blick. Gerade darin wird ja deutlich, dass sein Königtum nicht von dieser Welt ist. Was natürlich auch bedeutet, dass keine Autorität dieser Welt, und sei es auch eine religiöse, sich auf Gott berufen kann. Jede Autorität, und sei es auch eine religiöse, muss sich aus sich selbst heraus rechtfertigen und bleibt vorläufig.

Samstag, 10. November 2012

Diskriminierende Grosszügigkeit (Mt 20, 1-16)


Jesus erzählte diese Geschichte:
Das Himmelreich kann man vergleichen mit einem Arbeitgeber. Der ging frühmorgens zum Jobcenter, um Arbeiter für seine Firma zu holen. Er einigte sich mit ihnen auf 150 € für den Tag. Das war etwa das Doppelte des gesetzlichen Mindestlohns. Gegen zehn Uhr am Vormittag ging er erneut zum Jobcenter und da waren andere, die auch keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: „ Geht auch ihr in meine Firma. Ich werde euch geben, was recht ist.“ Sie gingen mit ihm. Um eins und um drei ging der Unternehmer erneut zum Jobcenter und machte es ebenso. Als er gegen fünf wieder dorthin kam, standen da immer noch einige herum. Er fragte sie: „Was steht ihr untätig den ganzen Tag da herum?“ Sie antworteten: „Niemand hat uns einen Job angeboten.“ Da sagte er zu ihnen: „Geht auch ihr in meine Firma.“
Gegen sechs Uhr abends sagte der Chef zu seinem Buchhalter: „Ruf die Arbeiter zusammen und zahl ihnen den Lohn aus. Fang mit denen an, die zuletzt gekommen sind.“ Da kamen die Männer und die Frauen, die um fünf Uhr angefangen hatten und jeder bekam 150€ ausbezahlt. Als dann die an der Reihe waren, die seit dem frühen Morgen gearbeitet hatten, glaubten sie mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur 150€. Die aber waren stinksauer und klagten beim Arbeitsgericht. Das Arbeitsgericht verwies den Fall an das Bundessozialgericht. Das Urteil steht noch aus.