Dienstag, 10. Januar 2012

Bruder Hahn und Schwester Henne


Für kurze Zeit wurde gestern die Affäre um den kreativen Umgang des Bundespräsidenten mit der Wahrheit von einer anderen Meldung von Platz Eins der Nachrichten verdrängt. In Hähnchenfleisch aus Supermärkten und Discountern wurden Spuren von Antibiotika-resistenten Keimen entdeckt. Nicht auszudenken, wenn diese Keime in deutsche Küchen gerieten. Dagegen wäre wohl auch Sagrotan mit seiner 99,9%-igen Keimvernichtungskraft machtlos. 

Experten konnten beruhigen. Es sei wissenschaftlich keineswegs erwiesen, dass die gefundenen Keime auch dem fleichsfressenden Menschen gefährlich werden könnten. Vom Frühstücksei und der Hähnchenbrust drohe keine unmittelbare Lebensgefahr, wenn man sich in der Küche nur die Hygienevorschriften eines Chirurgen im Operationssaal zu eigen mache. Außerdem beeilte sich das Verbraucherschutzministerium mit der Zusicherung, die Vorschriften für die Antibiotikaanwendung in der Tierhaltung würden verschärft.

Mit keinem Wort, oder höchstens beiläufig, wurde das Los der Tiere erwähnt, deren skandalöse Haltung zu Tausenden auf kleinstem Raum oder in engen Käfigen, die Anwendung von Antibiotika mit der Gießkanne erst nötig machen, um den Ausschuss möglichst niedrig zu halten und die Tonnen an billigem Fleisch zu produzieren, mit denen sich die Verbraucher hierzulande jährlich den Bauch vollschlagen. Tiere sind in unserer Gesellschaft keine lebenden, empfindenden und fühlenden Wesen sondern Produkte, die industriell erzeugt, aufgezogen und verarbeitet werden. Dass Tiere eine ihnen eigene Würde und ein Recht auf ein tiergerechtes Leben haben, ist die Meinung einer als Spinner belächelten Minderheit in der Gesellschaft. Der Gedanke daran, unter welchen Bedingungen die Henne mein Frühstücksei gelegt hat oder unter welcher Qual das Hähnchen, von dem das Schnitzel auf meinem Teller stammt, sein kurzes Leben zu brachte, ist ja auch nicht gerade appetitanregend. 

Dass die Tiere zwar nicht auf gleicher Stufe wie der Mensch stehen aber als lebende und fühlende Mitgeschöpfe unsere Geschwister sind, denen unser Respekt und unsere Fürsorge gilt, ist ein Gedanke, der in den meisten Köpfen kein Heimatrecht hat, auch nicht unter Christen. Schon der zweite Schöpfungsbericht der Bibel (Gen 2, 4b – 25) verrät eine verhängnisvolle Tendenz, die Tiere zum Zweck des Menschen zu machen. Da formt Gott die Tiere des Feldes und die Vögel des Himmels zwar aus dem selben Ackerboden wie den Menschen (Gen 2, 19a). Er tut dies in der gut gemeinten Absicht, dem Menschen Gefährten an die Seite zu geben, denn es sei nicht gut, dass der Mensch allein bleibt (Gen 2, 18). Und Gott überlässt es der Freiheit des Menschen, sein Verhältnis zu seinen Mitgeschöpfen aus der Tierwelt zu bestimmen. Der Mensch soll jedem Tier einen Namen geben (Gen 2, 19b -20). Und der Mensch benennt alle Tiere, „aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach fand er nicht.“ (Gen 2, 20b). Der Mensch verkennt, was ihn mit seinen Geschwistern aus der Tierwelt verbindet, der gemeinsame Ursprung aus dem Ackerboden. Indem er die Tiere benennt, grenzt er sie aus und verleugnet seine eigenen Wurzeln. Der erste Sündenfall.

Unverdrossen startet Gott einen zweiten Versuch. Er lässt den Menschen in Schlaf fallen, nimmt eine seiner Rippen und baut daraus eine Frau und führt sie dem Menschen zu (Gen 2, 21f). Und man traut seinen Augen nicht, wenn man die Reaktion des Menschen liest: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Männin soll sie heißen, denn vom Mann ist sie genommen.“ (Gen 2, 23). Der Mensch als Mann hat nun endgültig die Definition der geschöpflichen Wirklichkeit an sich gerissen. Von jetzt an ist alles der Deutungsmacht und Verfügungsgewalt des Mannes unterworfen. Der zweite Sündenfall.

Die Männin ist inzwischen dabei sich als Frau selbst zu definieren. Die Tiere sind in einer ungleich schwächeren Position. Ihre erbarmungswürdige Stellung in der Schöpfung wird sich nur ändern, wenn der Mensch sich dazu durchringt, sich selbst neu zu definieren.








Freitag, 6. Januar 2012

Pilgerreise des Sehens

Unter diesem Titel hat Giannina vom Klanggebet Blog eben ein neues Blog Bildgebet eröffnet. Wer ihre Beiträge in Klanggebet schätzt, wird von ihren Fotografien begeistert sein. Giannina bringt Bilder zum Sprechen. Hervorragend.