Sonntag, 31. Juli 2011

Gott starb auf Golgatha

Die Passionsgeschichte beschreibt den Tod Jesu am Kreuz als Selbstoffenbarung Gottes: „Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei.“ (Mk 15,38par). Gemeint ist der Vorhang der den Eingang zum Allerheiligsten, dem innersten Bereich des Jerusalemer Tempels abschloss. Hier stellte man sich die Anwesenheit Gottes in seiner Schechina vor. Nur einmal im Jahr durfte der Hohepriester das Allerheiligste betreten, um für sich selbst und für das Volk das Sühneopfer darzubringen. Durch den Tod Jesu, so offenbar die Deutung der Passionsgeschichte, beseitigt Gott selbst diese Trennung zwischen sich und seinem Volk.

Im Sterben des Jesus von Nazareth überschreitet Gott eine Schranke, die bisher zwischen ihm und den Menschen aufgerichtet war. Mehr noch, er reißt diese Schranke nieder. Sie war eine Folge der Sünden des Volkes, so die gängige Lesart, für die der Hohepriester einmal im Jahr in einem aufwendigen Ritual Entsühnung leistete. Dieses Ritual war durch den Tod Jesu überflüssig geworden, denn als der neue und vollkommene Hohepriester hat Jesus ein für allemal sich selbst Gott als endgültiges Opfer für unsere Sünden dargebracht (Hebr 7,25-28) und damit die Trennung zwischen Gott und Mensch beseitigt.

Mir allerdings drängt sich eine andere Deutung auf. Was ist es denn, was Gott und Mensch wirklich trennt? Der Mensch muss sterben, Gott kann nicht sterben. Dieser Unterschied reißt eine tiefe Kluft auf zwischen Gott und Mensch. Ein Gott, der nicht sterben kann, bleibt dem Menschen unendlich fern. Ein Gott, der nicht sterben kann, bleibt in Ewigkeit ein einsamer Gott. Wenn wir der jüdisch-christlichen Tradition aber eines entnehmen können, dann ist es die Überzeugung, dass Gott geradezu leidenschaftlich die Nähe zum Menschen sucht. Wenn denn der Tod Jesu in irgendeiner sinnvollen Bedeutung des Wortes Erlösung sein kann, dann ist er die Erlösung Gottes aus seiner Einsamkeit. Nur ein Gott, der sterben kann, der sich auch den Tod zu eigen machen kann, ist ein wirklich naher Gott. Der Tod Gottes auf Golgatha ist die intimste Vereinigung Gottes mit dem Menschen, seine Hochzeit mit der Menschheit.

Ich mache mir damit keineswegs die metaphysischen Spekulationen über Jesu Göttlichkeit zu eigen. Für mich ist Jesus von Nazareth ein Mensch. Ein Mensch allerdings, der es als seine ureigenste Mission ansah, das Werk Gottes zu tun bis zu seinem Tod am Kreuz. Nur eines Menschen Tod konnte Gottes Einsamkeit überwinden, denn der Tod ist das Ur-menschlichste überhaupt. So mag man Jesus denn wirklich Gottes Sohn nennen (Mk 15,39) und auch bekennen, dass Gott in diesem Menschen selbst Mensch geworden ist. Aber dieses Geheimnis ist durch keine Metaphysik einzuholen.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Hat sich Jesus geirrt?

Diese Frage fand sich kürzlich unter den Suchbegriffen von Lesern, die auf diesem Blog gelandet sind. Es ist eine Frage, die mehr als nur intellektuelle Neugier verrät. Hinter ihr verbirgt sich die eigentliche, die existentielle Frage: Ist im Blick auf Leben, Botschaft und Werk Jesu ein sinnerfülltes Leben heute möglich?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er glaubte das Werk Gottes zu tun, indem er Lahme gehend, Blinde sehend machte und den Armen gottgegebene Würde zusprach, auch wenn sie von den andern wie Dreck behandelt wurden?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er glaubte das Werk Gottes zu tun, indem er Menschen von inneren und äußeren Dämonen befreite und zurück ins Leben führte?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er von den Seinen Verzicht auf materielle Sicherheit forderte im alleinigen Vertrauen auf eine fürsorgliche Kraft, die er Abba nannte? Hat er sich geirrt, wenn er sie schutzlos auf ihre Mission schickte, mit nichts zur Verteidigung als ihrer demonstrativen Wehrlosigkeit?

Hat sich Jesus geirrt, wenn es in seinem Kreis keine Herren und Knechte mehr geben und alle sich auf Augenhöhe begegnen sollten?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er sich in seinem Reden und Handeln von der Vision einer herrschaftsfreien Gesellschaft unter Gottes fürsorglicher Obhut leiten ließ?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er darauf setzte, dass Gott dieses Projekt demnächst verwirklichen würde – heute, oder morgen?

Hat sich Jesus vielleicht geirrt, nur weil man ihn schließlich umbrachte?

Jesus hat sich geirrt, wenn es niemand mehr gibt, der sich an ihn erinnert, von ihm erzählt, seine Vision am Leben erhält und sein Werk weiterführt.

Ob sich Jesus geirrt hat, entscheiden wir.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Jesus und die Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4,1-42)

Auf dem Weg von Judäa nach Galiläa kommt Jesus mit seinen Jünger durch das Gebiet der Samariter. Müde, hungrig und durstig machen sie Rast in der Nähe des Grundstücks, das der Erzvater Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Während seine Jünger auf der Suche nach Essbarem den Ort aufsuchen, setzt sich Jesus an den Brunnen. Es ist Mittag.

Da kommt eine Frau, um Wasser zu schöpfen und Jesus bittet sie um einen Schluck Wasser. Die Frau wundert sich, dass er, ein Jude, sie eine Samariterin um Wasser bittet, war doch den Juden der Umgang mit Samaritern untersagt. Diese galten als unrein, wohl weil sie sich im Laufe der Jahrhunderte mit heidnischen Ansiedlern vermischt hatten. Aus einem Gefäß zu trinken, das einer samaritischen Frau gehörte, würde auch Jesus unrein machen. Zudem war es an sich eine Ungehörigkeit, dass ein fremder Mann eine Frau in der Öffentlichkeit ansprach.

Befremdlich allerdings war es ebenso, dass eine Frau in der Mittagszeit zum Wasserholen ging und noch dazu ohne Begleitung. Und wenn, dann hätte der Anstand es verlangt, dass sie auf der Stelle kehrt gemacht hätte, sobald sie des Fremden am Brunnen ansichtig geworden war. Immerhin würde sie als Frau eher in Verruf geraten als der Mann. So war das eben.

Ob die Frau Jesus nun einen Trunk angeboten hat oder nicht, verschweigt die Erzählung, denn nun beginnt der johanneische Jesus einen Monolog über ein anderes, ein lebendiges Wasser und man hat den Verdacht, Johannes hätte die Geschichte mit dem Durst leidenden Jesus nur als Vorwand benutzt, um seinem Jesus das Stichwort zu einer Predigt zu liefern. So leicht aber ist die Frau nicht zu beeindrucken. Sie macht einige sehr vernünftige Einwendungen: woher will der Fremde denn dieses Wunderwasser herholen, da er ja kein Schöpfgefäß hat? Irgendwie findet sie das Angebot aber doch recht bedenkenswert. Immerhin könnte sie sich so in Zukunft den Weg zum Brunnen und die mühselige Wasserschlepperei ersparen.

Anders als andere Prediger vor und nach ihm merkt Jesus, dass er an der guten Frau vorbeiredet. Er tut so, als ob er sie nach ihrem Mann schicken will und als sie sagt, sie hätte keinen Mann, sagt er ihr auf den Kopf zu, dass sie schon fünf Männer gehabt habe und dass sie mit ihrem derzeitigen Gefährten nicht verheiratet sei. Damit hat er sie. Womit erwiesen wäre, dass man ohne viel Theologie oft viel leichter Glauben findet.

Es entwickelt sich jetzt ein ernsthaftes Gespräch zwischen Jesus und der Frau über die rechte Art , Gott anzubeten, wobei nun Jesus endlich Gelegenheit findet, erneut theologisch zu werden. Dabei ist weniger bemerkenswert, was Jesus zu sagen hat. Vielmehr fällt die souveräne Rolle auf, welche die Frau in dem Gespräch spielt. Sie ist nicht einfach die stille und andächtige Zuhörerin, die an den Lippen des Meisters hängt. Sie stellt kluge Fragen, sie argumentiert und sie bekennt, dass auch sie, die unreine Samariterin, das Kommen des Messias erwartet.

Und als Jesus, der johanneische Jesus wohlgemerkt, sich ihr als der von ihr erwartete Messias zu erkennen gibt, lässt sie ihren Wasserkrug stehen und eilt zurück in ihr Dorf, um allen, die es hören wollen, zu verkünden, dass sie womöglich dem Messias begegnet sei. Man wird an die andere Frau, Maria aus Magdala, erinnert, die nach ihrer Begegnung mit Jesus nach dessen Tod zu den Jüngern eilt mit der Botschaft: „ Ich habe den Herrn gesehen!“

Die Geschichte ist um so bemerkenswerter, wenn man sie mit der Begegnung zwischen Jesus und dem jüdischen Ratsherrn Nikodemus im vorangehenden Kapitel vergleicht (Joh 3, 1- 13). Nikodemus kommt heimlich in der Nacht zu Jesus, damit er von niemand gesehen wird. Die Samariterin trifft sich unbefangen mit Jesus, mitten am Tag, ungeschützt an einem einsamen Brunnen, ohne auf ihren guten Ruf zu achten. Nikodemus versteht nicht, was Jesus ihm sagen will (Joh Joh 3,10). Die Frau beteiligt sich am Gespräch und verrät bemerkenswerte Kenntnis dabei . Nikodemus taucht erst wieder auf, um dem Leichnam des Gekreuzigten zusammen mit Josef von Arimathäa zu bestatten und ihm für einen horrenden Preis kostbare Salben mit ins Grab zu geben (Joh 19,39f). Die Frau eilt zu ihren Mitbürgern mit der Nachricht: „Ich bin möglicherweise dem Messias begegnet.“

Die Geschichte zeichnet das Porträt einer Frau, die mit einer für ihre Zeit ungewöhnlichen Souveränität agiert. Wie auch andere Frauen im Johannesevangelium erscheint sie als echte Jüngerin Jesu und Verkünderin seiner Botschaft, eine Apostolin im echten Sinn des Wortes. Die Geschichte erlaubt keine Rückschlüsse auf die realen Verhältnisse unter den AnhängerInnen des historischen Jesus. Sie zeigt aber deutlich, dass in dem Milieu, in dem das Johannesevangelium Gestalt annahm, Frauen eine hervorragende Rolle in der Verkündigung zukam. Es ist ja auch schon die Hypothese aufgebracht worden, das Johannesevangelium stamme von einer Frau. Ei wei!

Sonntag, 17. Juli 2011

Vögel singen nicht zum Spaß

Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? (Mt 6,26 Einheitsübersetzung)

Ein Jesus-Wort, das mit Vorliebe von Predigern zitiert und hingebungsvoll interpretiert wird. Dann blicke ich auf die Amseln im Garten und auf ihr zerzaustes Gefieder, das Zeugnis gibt von den Strapazen der Futtersuche und Brutpflege vom Frühling bis in den Sommer hinein. Oder ich entdecke im Winter meinen Kater, der hartnäckig das Vogelhäuschen des Nachbarn für seinen Mittagsschlaf aufsucht. Manchmal fällt es schwer, Katzenfreund und Vogelfreund gleichermaßen zu sein. Und es fällt schwer, sich manches Jesus-Wort so ohne weiteres zu eigen zu machen.

Vertrauen lernt man nicht, in dem man die Bibel liest. Schwimmen lernt man nicht, indem man einen Schwimmer seine Bahnen im Becken ziehen sieht. Man muss sich selbst ins Wasser wagen. Schwimmen kann ich bis heute nicht. Vertrauen ist eine Sache der Übung – ein Leben lang. Zum Glück bin ich erst 64.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Maria M.

Man sagte von ihr, sie sei von sieben Dämonen besessen gewesen. Oder, sie hätte es mit jedem getrieben, für Geld, eine Hure eben. Man sagte dies und Schlimmeres, weil sie anders war als die Frauen, an die man gewöhnt war. Sie gehörte keinem Mann, sie sorgte für sich selbst, sie ging und kam, wann sie wollte. Naja, ein wenig sonderbar war sie vielleicht schon und nicht eben darauf erpicht, es jedem recht zu machen.

Dass Jesus, als er nach Magdala kam, bei ihr einkehrte statt beim Dorfvorsteher, half ihrem Ansehen auch nicht gerade. Seinem übrigens eben sowenig. Aber hieß es nicht: gleich und gleich … Wenn sie gewusst hätten, wie recht sie damit hatten, die Klatschmäuler. Aber eben anders als sie dachten.

Dann tauchte sie eines Tages bei Jesus auf. Und blieb. Die Jünger wunderten sich. Einige ärgerten sich auch, besonders der großmäulige Simon, den sie hinter seinem Rücken spöttisch „Fels“ nannten. Es zogen ja schon ein paar Frauen mit, schlimm genug. Aber die wussten wenigstens, welches ihr Platz war. Nicht so Maria. Stets hing sie mit Jesus zusammen und abends, wenn sie sich irgendwo, oft genug unter freiem Himmel, zum Schlafen hinlegten, war sie bestimmt diejenige, die ihren Schlafplatz am nächsten bei Jesus wählte. Nicht bei den Frauen, wo sie hingehörte. „Die haben was miteinander“ tuschelten die andern und Simon mit dem Spitznamen „Fels“ stellte Jesus offen zur Rede: „Maria soll von uns weggehen,“ verlangte er. Es ist nicht überliefert, was Jesus darauf sagte, aber der Feigenbaum, unter dem sie standen, soll auf der Stelle verdorrt sein. Maria blieb.

Dann kamen die schrecklichen Tage von Jerusalem. Maria und die anderen Frauen waren die einzigen, die die letzten Stunden ihres Meisters mit litten. Sie wussten, wo sie hingehörten. Und dann war es Maria, die dem verstörten Häuflein der JüngerInnen Mut machte: „Ich habe den Herrn gesehen“ verkündete sie und: „Weint nicht, trauert nicht und seid nicht unentschlossen. Seine Kraft wird mit euch sein und euch beschützen. Vielmehr lasst uns seine Größe preisen, denn er hat und zugerüstet und zu Menschen gemacht.“

Aber Simon verharrte in seiner Verstocktheit und vielleicht rührt daher sein Spitzname „Fels“: „Ist es wirklich möglich, dass der Herr sich einer Frau gezeigt und mit ihr gesprochen hat und nicht uns? Sollen wir uns jetzt vielleicht alle ihr zuwenden und auf sie hören? Hat er sie uns vorgezogen?“ Und bis auf den heutigen Tag wiederholen die Nachfolger des Simon diese gleiche Frage wieder und wieder. Und wissen auch die Antwort.

Letzte Meldung

Passanten beobachteten gestern einen jungen Mann, der sich einer Frau im Rollstuhl näherte. Er sprach sie an und berührte ihre Beine, worauf die Frau aufstand, den Rollstuhl stehen liess und zu Fuss weiterging. Nach dem Mann wird gefahndet. Ihm droht eine Anzeige wegen Verstoss gegen das Heilpraktiker Gesetz.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Skandal im Petersdom

Die folgende Geschichte ist Fiktion. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden Örtlichkeiten, Personen und religiösen Handlungen ist rein zufällig und der Phantasie des Lesers zuzuschreiben.

Gründonnerstag in Sankt Peter in Rom. Ordentlich aufgereiht und fein zurecht gemacht, gekleidet in blütenweiße Alben, sitzen zwölf alte Männer auf zwölf Stühlen und strecken einen nackten, sorgfältig gepflegten Fuß vor sich. Ein weiterer alter Mann, der Heilige Vater, arbeitet sich mühsam von Fuß zu Fuß und gießt aus einem silbernen Kännchen ein paar Tropfen Wasser auf jeden Fuß. Dem Heiligen Vater zur Seite steht die würdevolle Gestalt des Zeremonienmeisters. Seine Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass der Heilige Vater die Prozedur unbeschadet hinter sich bringt. Ausserdem reicht er ihm jedesmal, wenn dieser einen Fuss betröpfelt hat, ein Tuch, mit dem dieser dann einige angedeutete Wischbewegungen ausführt.

Der Chor der Sixtinischen Kapelle schmettert kraftvoll sein UBI CARITAS ET AMOR, IBI DEUS, „Wo die Liebe und die Güte, da ist Gott“, während die heilige Handlung auf die letzten Füsse zusteuert. Da fällt der Blick des Zeremonienmeisters auf den Letzten in der Reihe und der gute Mann erstarrt. Eigentlich ist es ja der Überletzte, denn zwölf Männer sitzen schon vor ihm, wie es die heilige Ordnung verlangt. Überdies trägt der Eindringling kein Festgewand und könnte man ihn nicht sehen, man könnte ihn riechen. Ausserdem ist er viel jünger als die herausgeputzen Greise, wohl noch keine Dreissig. Entspannt fläzt der Mann sich in seinem Sessel, angetan mit einem schmuddeligen T-Shirt und einer Jeans von unbestimmter Farbe. Fröhlich lächelnd streckt er dem Heiligen Vater einen schmutzstarrenden Fuss entgegen.

Inzwischen aber hat sich der Zeremonienmeister wieder gefangen. Er schickt einen gebieterischen Blick in eine Ecke des Altarraums und schon tauchen zwei als Ministranten verkleidete Sicherheitsbeamte auf. Bedrohlich schwenkt der eine sein Weihrauchfass direkt vor der Nase des erstaunten Eindringlings, während der andere ihn unsanft am Arm hochzieht. Dann nehmen die beiden ihn in ihre Mitte und verschwinden mit ihm in den Tiefen des Petersdoms. Ein letztes Mal schmettert der Chor sein Ubi Caritas et Amor … und der Gottesdienst nimmt seinen vorgesehenen Gang.

Stunden später kann man bei Youtube ein Video sehen, bei dem ein offensichtlich ziemlich mitgenommener junger Mann auf dem Petersplatz von mehreren Carabinieri mit Maschinenpistolen in ein Auto verfrachtet wird. Ein Schwenk auf das Gesicht des jungen Mannes zeigt eine geplatzte Lippe und mindestens ein geschwollenes Auge.

Der Vatikan verweigert jede Stellungnahme zu dem Vorfall. Immerhin zitiert der Corriere della Sera am folgenden Tag einen ungenannt bleiben wollenden Schweizer Gardisten. Danach soll es sich bei dem Verhafteten um einen Mann handeln, der unter falschem Namen aus dem Nahen Osten eingereist sei. Aus Sicherheitskreisen sickert außerdem durch, dass man die Person schon lange im Visier gehabt habe, sein Name sei angeblich Jeschu al Nazir oder so ähnlich und eine Verbindung zu Al Kaida sei nicht auszuschließen.

In ihrer Osterausgabe will der Corriere eine gewisse Maria M. (der volle Name ist der Redaktion bekannt) aufgestöbert haben. Diese soll behauptet haben, der geheimnisvolle Unbekannte habe ihr am Ostermorgen in einer Bar einen Espresso spendiert. Daraufhin erhält die Redaktion zahlreiche Anrufe von Lesern, in der Mehrzahl Frauen, die dem Fremden ebenfalls begegnet sein wollen. Allerdings stellt sich wenig später heraus, dass es sich bei der Maria M. um eine junge Frau handelt, die kurz zuvor aus der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie entwichen war.

Dienstag, 12. Juli 2011

Jeder hängt an seinem Kreuz

Du hängst an Deinem Kreuz und ich
hänge an meinem Kreuz.
Jeder hängt an seinem Kreuz – allein.
Ich lasse Dir Dein Kreuz, es gehört zu Dir.
Ich nehme mein Kreuz, es gehört zu mir.
Dein Kreuz lasse ich Dir,
es gehört mir nicht, Herr.
Wir sind Gezeichnete.
Es ist mein Kreuz.
Vor der Auferstehung kommt
der Abstieg in die Unterwelt.
Und danach?