Mittwoch, 23. Februar 2011

Eine(r) wie ein Mensch

Jesus spricht von sich selbst des öfteren als der Sohn des Menschen (bar nascha). Dies ist im Aramäischen, der Muttersprache Jesu zunächst einmal nichts anderes als eine Redeweise der Bescheidenheit und Zurückhaltung. Statt Ich verwendet man das indirektere Sohn des Menschen. Man könnte stattdessen auch sagen: Ein Mensch wie ich … So etwa in dem Jesuswort: „Der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen könnte = Ein Mensch wie ich hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen könnte.“

Auch wenn es vom Aramäischen nicht gedeckt sein dürfte, eröffnet sich für mich in dieser für Jesus typischen Weise der Selbstbezeichnung noch eine andere Bedeutung. Ich erkenne darin den Ausdruck einer tiefen Solidarität mit dem Schicksal jedes Menschen schlechthin. Jesus als der Mensch für andere, wie er gelegentlich genannt wird.

Es ist nicht verwunderlich, wenn diese Selbstbezeichnung Jesu unter Teilen seiner Anhängerschaft nach seinem Tod eine besondere Bedeutung bekam. Man erwartete die Wiederkunft des Menschensohnes auf oder in den Wolken des Himmels zum Endgericht als Auftakt zur Neugestaltung der Welt. Es mögen dabei auch Einflüsse aus den zeitgenössischen Judentum mitgespielt haben, die ebenfalls einen Menschensohn als Enzeitgestalt kennen.

Insbesondere aber ist der Einfluss der Danielvision (Dan 7,13) unverkennbar. Daniel sieht in einem Traumgesicht, wie vier verschiedene Tiergestalten von schrecklichem Aussehen erscheinen, Symbole für die verschiedenen fremden Mächte unter denen Israel zu leiden hatte. Ihnen folgt als letztes Traumbild einer wie ein Menschensohn, bei Daniel nicht als ein bestimmter Mensch zu deuten, sondern als Bild des erneuerten und befreiten Israel.

Will man eine Beziehung zwischen dieser Vision Daniels und Jesus hertsellen, dann eröffnete sich eine interessante Perspektive. In dem, was Jesus sagt und tut, blitzt immer wieder die Vision einer Zukunftsgestalt auf, von eine(r)m wie ein Mensch. Eine/einer wie ein Mensch wird zum Hoffnungsbild einer verwandelten Menschheit. Die Erwartung der Wiederkunft des Menschensohnes bekommt jetzt eine ganz andere Bedeutung. Sie wird zum Offenbarwerden des Neuen Menschen, der in Jesus Wort und Handeln bereits anfanghaft sichtbar wurde. Die Wiederkunft des Menschensohnes auf den Wolken ist der Neue Mensch im Kommen! An ihm, dem Menschensohn im Gewand des endzeitlichen Richters, entscheidet sich hier und jetzt gelungenes oder verfehltes Menschsein. Insofern ist allezeit Wiederkunft des Menschensohnes.

Sonntag, 20. Februar 2011

Der Mythos von Jesu Auferstehung

Gerd Lüdemann stellt in einer seiner Publikationen der letzten Jahre sinngemäß fest, er könne redlicherweise nicht mehr Christ sein, da als gesichert gelten müsse: Jesus aus Nazareth in Galiläa ist nicht auferstanden. Die Zeugen, auf die sich Paulus und die Evangelien beriefen, hätten sich getäuscht. Sie seien psychischen Trugerfahrungen aufgesessen oder hätten mit Absicht betrogen. Jesus sei nach seinem Tod am Kreuz im Grab oder wo auch immer genau so verwest wie jeder andere menschliche Leichnam.

Lüdemann setzt eine erhebliche intellektuelle Anstrengung ins Werk, um 250 Jahre historische Jesusforschung gegen ihre eigene Intention zu interpretieren: nämlich, ein Quentchen Rationalität in den Glauben hineinzubringen. Lüdemanns Argumentation hat in etwa das Niveau jenes alten Witzes aus dem sowjetischen Atheismus, demzufolge es im Himmel keinen Gott gebe, ansonsten ihn die Kosmonauten auf ihren Ausflügen ins All ja hätten sehen müssen.

Der Mythos von der leiblichen Auferstehung Jesu, und um einen Mythos handelt es sich, ist das Ergebnis der Trauerarbeit zumindest eines Teils der Jesusbewegung, der durch den plötzlichen und unerwarteten Tod ihres Meisters zutiefst erschüttert und verunsichert wurde. Der „Auferstehungsglaube“ ist zunächst einmal das Ergebnis eines gruppenpsychologischen Prozesses, der mit Sicherheit nicht in drei Tagen stattgefunden hat, sondern sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstreckte. Darin flossen paranormale Phänomene Einzelner und von Gruppen ebenso ein, wie theologische Reflexion im Sinne von Rationalisierung als psychischem Bewältigungsversuch.
Der Vorgang ist so einzigartig nicht. Man kennt derlei aktuell auch bei Menschen, die einen nahestehenden Angehörigen oder Freund verloren haben, zu dem eine intensive emotionale Beziehung bestand. Auch bei ihnen trifft man noch Jahre danach immer wieder auf die feste psychische Gewissheit, der Verstorbene sei eine spürbare, lebendige Realität, die ihnen Kraft, Trost und Lebenszuversicht spendet. Man muss sich dazu nur einmal die Schilderungen von Müttern anhören, die Kinder verloren haben.

In einem soziokulturellen Kontext einer traditionellen, vor-rationalen Gesellschaft besaß eine solche individuelle und Gruppenüberzeugung einen noch viel grösseren Realitätsgehalt. Auch wenn in einem konkreten Fall die Aussenwelt, die Wahrheit einer solchen Behauptung bezweifeln oder bestreiten mochte, wurde eine derartige Möglichkeit grundsätzlich doch bejaht.

Problematisch wird ein solcher Glaube erst einem post-rationalen Denken, das eine Hierarchie von Wirklichkeiten zu unterscheiden beginnt. Jetzt ist „wirklich“ nur, was man messen, wiegen und zählen kann. Alles andere sind „Nur“-Wirklichkeiten, „nur“ psychologisch, „nur“ illusionär usw. Die Auferstehung besitzt einem solchen Denken zufolge nur Wirklichkeit, wenn mit hinreichender Gewissheit angenommen werden kann, dass ein leeres Grab vorgezeigt werden kann, in dem nachweislich zuvor der Leichnam Jesu gelegen hat.

In Grenzen erliegen schon die Evangelien dieser Versuchung nach handfesten Beweisen, wie die Erzählung vom leeren Grab ja beweist. Die Ironie dabei: hinter den Berichten vom leeren Grab mögen sich durchaus historische Reminiszenzen verbergen. Vielleicht sind wirklich Frauen nach Ablauf der Sabbatruhe zum Grab gekommen, um die rituelle Totenklage zu halten. Zu ihrem Entsetzen stehen sie vor einem leeren Grab! Der Bericht, wie sie mit dieser Nachricht bei den Jesus-Leuten in Jerusalem für Aufregung sorgen, klingt durchaus plausibel.

Aber die guten Frauen standen halt vor dem falschen Grab! Sie wussten nicht, wohin man Jesus gelegt hatte. In der Regel wurden Gekreuzigte nach einem qualvollen Tod, der oft über Tage dauern konnte, einfach am Kreuz hängen gelassen, den Aasgeiern zur Nahrung. Oder die römischen Schergen verscharrten sie an Ort und Stelle. Nur wenn Angehörige die nötigen Beziehungen hatten und wenn Geld floss, gelang es gelegentlich, einen Leichnam für ein ordentliches Begräbnis freizubekommen.
Da der Sabbat bevorstand und außerdem das Pessach, wollte man die grausige Prozedur offenbar beschleunigen. Es wäre ein ungeheuerlicher Affront der Römer gegen die Juden gewesen, wären die Hingerichteten über die Festtage am Kreuz verblieben. Also zerschmetterte man den Gekreuzigten früher als üblich die Knochen, was relativ rasch zum Tod durch Ersticken führte. Bei Jesus stellte man fest, dass er schon gestorben war, was ungewöhnlich war. Nach dem Zeugnis der Passionsgeschichte, soll man ihm mit einem Schwamm zu trinken gegeben haben, worauf er starb. Offenbar hatte man ihn vergiftet.

Bestimmt war dies keine Tat aus Mitleid, sondern irgendwer hatte einen Soldaten oder dessen Vorgesetzten bestochen. Auf dem gleichen Wege gelang es wohl auch, Jesu Leichnam für ein Begräbnis freizubekommen. Allerdings muss es sich bei dem Bittsteller um eine Persönlichkeit gehandelt haben, die eine gewisse Immunität besaß. Man konnte nämlich leicht selbst in den Geruch der Aufsässigkeit geraten, wenn man sich für einen verurteilten Aufrührer einsetzte. Durchaus möglich, dass diese Persönlichkeit der in der Passionsgeschichte genannte Josef von Arimathäa und ein Mitglied des Hohen Rats war.

Dies alles wurde vermutlich ohne Wissen der unmittelbaren Anhänger Jesu arrangiert. Die Bemerkung der Passionsgeschichte, dass die von Ferne bei der Kreuzigung anwesenden Frauen, gesehen hätten, wohin Jesu Leichnam gelegt wurde, riecht geradezu nach einer Schutzbehauptung. Tatsache ist wohl, dass niemand das Grab kannte, in das Jesus in aller Eile gelegt wurde.

Dies war natürlich fürs erste eine schreckliche Vorstellung. Auf Dauer aber war dieser Umstand durchhaus förderlich für die Entstehung des Auferstehungsmythos. Wer allerdings die „Realität“ hinter dem Glauben an die Auferstehung Jesu einzig an der Frage festmachen will, ob der Leichnam Jesu verweste oder etwa nicht, der wird der Komplexität der Erfahrung des über den Tod hinaus als lebend erfahrenen Jesus nicht gerecht. Hätte man jemand unter den Jesus-Leuten, für die der fortlebende Meister eine innere Realität war, mit dieser Frage konfrontiert, man hätte nur ein entsetztes Unverständnis über soviel Pietätlosigkeit geerntet. Etwa so, wie wenn man eine Mutter, für die die Nähe ihres verstorbenen Kindes eine tröstliche Gewissheit ist, daran erinnern würde, das der tote Körper des Kindes gerade auf dem Friedhof von den Würmern verspeist werde.

Dem Glauben der ersten Anhänger Jesu an sein Weiterleben über den Tod hinaus gebührt deshalb zuerst Respekt und pietätvolle Anerkennung. Zunächst geht es dabei nicht um Theologie sondern schlicht um eine existentielle Notwendigkeit mit einem tiefgehenden Trauerschock fertig zu werden. Dann muss zur Kenntnis genommen werden, dass die Vorstellung einer leiblichen Auferstehung von der ursprünglichen Erfahrung, die einige unter den AnhängerInnen Jesu nach dessen Tod machten, zu trennen ist. Die zugrundeliegende Erfahrung bestand durchwegs darin, dass Jesus nach seinem Tod „gesehen“ wurde, bzw. dass er sich „gezeigt“ hat. Es dürfte eine lange Zeit gedauert haben, bis dieses „Sehen“ und „Sich Zeigen“ theologisch als „Auferstehung“ gedeutet wurde.

Während das „Sehen“ eine unmittelbare Erfahrung war, stellt die „Auferstehung“ eine nachträgliche theologische Interpretation dar. Das Modell dafür fanden die Schriftgelehrten unter den Jesusleuten in Teilen des zeitgenössischen Judentums vor, sie mussten es nicht erst erfinden.

Es ist allerdings nicht zu verkennen, dass die Erfahrung einiger weniger aus dem Kreis um Jesus sehr bald schon instrumentalisiert wurde. Während meines Erachtens nur ein sehr kleiner Kreis, vermutlich die Frauen um Maria aus Magdala, den Herrn „sahen“, wurde diese Erfahrung sehr schnell vor allem den Führungspersönlichkeiten angedichtet, denn sich auf eine Erscheinung Jesu nach seinem Tod berufen zu können, verschaffte Autorität. Das ging soweit, dass schon im ältesten Osterzeugnis, das Paulus zitiert, Frauen vollkommen fehlen.

Es wird auch das Bemühen erkennbar, den „Realitätsgehalt“ der Auferstehung dadurch zu untermauern, dass immer neue und „greifbarere“ Details hinzu erfunden wurden. Da ist unverkennbar die Handschrift jener zweiten Generation von Jesusleuten am Werk, für die „Auferstehung“ schon keine eigene Erfahrung mehr war. Schließlich, und hier hat Paulus, der sich auf eine eigene Erfahrung mit dem lebendigen Jesus berufen konnte, den entscheidenden Anteil, werden Tod und Auferstehung Jesu oder jetzt des Christus, zum Fundament christlichen Glaubens überhaupt. Leben, Botschaft und Werk des Jesus von Nazareth treten demgegenüber fast vollständig in den Hintergrund.

Sieht man aber genauer hin, zeigen sich in den ntl. Zeugnissen Spuren dafür, dass in den Anfängen nach Jesu Tod der Auferstehungsmythos durchaus nicht durchgängig als Deutung des fortlebenden Jesus herangezogen wurde. Wurde das Modell „Auferstehung“ zum Alleinstellungsmerkmal des Christus-Kults, scheint man in einigen, vorwiegend den jüdischen Jesus-Bewegungen Jesus auf andere Weise in Erinnerung behalten zu haben. Im Spruchevangelium Q, das man aus dem Matthäus und Lukasevangelium rekonstruiert hat, gibt es kaum Hinweise auf Jesu Tod und der Gedanke an eine Auferstehung fehlt vollständig. Hier lebt Jesus weiter als Lehrer der Weisheit und mythisch überhöht als Sohn der göttlichen Weisheit. Jesu Tod scheint bei den Q-Leuten keine derartige Erschütterung hervorgerufen zu haben, dass die „Gruppen-Seele“ zu einer solch außerordentlichen Gegenmaßnahme greifen musste, um sie zu bewältigen.

Unter den Q-Leuten kennt und akzeptiert man, wenn auch mit einiger Bitterkeit, dass die Weisheit bei den Menschen gelegentlich keine Wohnstatt findet, dass das Schicksal des Propheten oft der gewaltsame Tod ist. Das tut der Glaubwürdigkeit des Bevollmächtigten Gottes keinen Abbruch. Zu seiner Rehabilitierung bedarf es keines nachträglichen Eingreifens Gottes, wie es eine Auferweckung von den Toten darstellt. Ähnliches ist vom Thomas-Evangelium zu sagen, das große Teile des Spruchevangeliums in sich aufgenommen hat. Es spricht ganz selbstverständlich vom „lebenden“ Jesu, ohne einen Rückgriff auf den Auferstehungsmythos.

Für den Glauben an Jesus von Nazareth ergibt sich daraus die folgende Konsequenz:
Der Rede von der Auferstehung gebührt Achtung und Respekt. Sie ist ein beeindruckender Bewältigungsversuch einer Gruppe von FreundInnen und AnhängerInnen Jesu, die damit den Glauben an ihren Meister über dessen grausames Scheitern hinüberretteten.

Die narrative und reflexive Ausgestaltung und Weiterentwicklung des Auferstehungsmythos muss aber kritisch daraufhin befragt werden, ob dieser auch heute noch ein hilfreiches Vehikel ist, das Andenken an Jesus und sein Vermächtnis lebendig zu erhalten. Die Entscheidung für oder gegen Jesus muss jeder für sich selber treffen. Das Zeugnis der Vergangenheit kann ihm dabei nur mittelbar helfen. Zwingend ist es nicht.

Das Spruch- und das Thomas-Evangelium belegen, dass es durchaus andere Möglichkeiten gibt, im Geist des Jesus von Nazareth zu leben, zu arbeiten und zu sterben. Der Auferstehungsmythos mag unabdingbar sein für die Zugehörigkeit zum Christus-Kult. Für die Jüngerschaft des Jesus von Nazareth ist er es nicht.

Im kritischen Rückbezug auch auf die allerersten Zeugen ist es an der Zeit, nach innovativen Neuentwürfen einer Jesus-Nachfolge und Jesus-Erinnerung zu suchen. Dabei geht es nicht darum, ein 2000 Jahre altes Christentum zu konservieren oder zu reformieren. Vielmehr muss eine Antwort gefunden werden auf die Frage: Hat der galiläische Jude Jesus von Nazareth aus dem ersten Jahrhundert nach der Zeitenwende etwas hinterlassen, das auch im 21.Jhdt. Inspiration und Anstoß sein kann, für individuelle und gesellschaftliche Lebensgestaltung.

Die Frage heute lautet nicht: Ist Jesus von Nazareth von den Toten auferweckt worden? Vielmehr ist zu fragen: Welche Anstösse können von einem jüdischen Heiler, Exorzisten und Wanderprediger der Zeitenwende heute ausgehen? Glaube, Vertrauen auf Gottes Handeln in der Geschichte sieht nicht zu allen Zeiten gleich aus. Das Christentum tut so, als ob die Antworten, die Menschen vor 2000 Jahren gefunden haben, zu den Fragen passen würden, die uns gegenwärtig bedrängen.

Die Frage nach der Auferstehung Jesu hat 2000 Jahre nach Jesu Tod erheblich an Brisanz verloren. Ja sie ist weitgehend inhaltsleer geworden. Der Glaube an die Auferweckung ihres Meisters durch Gott war der psychische Bewältigungsversuch auf eine existentielle Erschütterung einer kleinen Gruppe von Jesus Anhängern. Insofern ist sie eine Realität, die psychische Realität einer Gruppe von Menschen, die mit ihrer Hilfe wieder ins Leben zurück fanden und eine beeindruckende Bewegung in Gang setzten. Aus der Erfahrung einiger weniger ist ein Mythos entstanden, der Christusmythos und die Geburt einer neuen Religion. Es scheint, als ob dieser Mythos an sein Ende kommt.

Samstag, 19. Februar 2011

Ein leicht erregbarer Gott

Gelegentlich, wenn ich in der Bibel blättere, überfallen mich recht unfromme Gedanken. Solches widerfährt mir regelmässig schon bei der Lektüre der ersten paar Seiten.

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ...“ lese ich da. In sechs Tagen ordnet Gottes schöpferisches Wort das Urchaos, trennt das Trockene vom Feuchten, lässt Gräser, Sträucher und Bäume wachsen, ruft Tiere aller Art ins Dasein und am Ende den Menschen. Nach sechs Tagen kehrt Gott ein in seine Ruhe, betrachtet sein Werk, und er findet, dass gut ist, was sein Wort bewirkt hat (Gen 1,1-2,4a).

Jede(r) kennt dieses göttliche Gefühl, das tiefe Empfinden im Solar Plexus: Es ist einfach nur gut – sehr gut! Alles ist, wie es sein soll, ein geradezu kosmisches Gefühl, dass Menschen, Tiere, Dinge, dass alles am richtigen Ort ist, vorallem man selber. Es passt!
Und dann passt es auf einmal überhaupt nicht mehr. Nichts ist gut, die ganze 'Welt' ist im wahrsten Sinn des Wortes „verrückt“, nicht mehr an seinem rechten Ort.

Liest man am Anfang der Bibel einige Verse weiter (Gen 2,4b-3,24), entdeckt man, dass es Gott nicht anders geht. Eben noch hat er zufrieden sein Werk betrachtet und schon gibt’s Ärger! Aus Lehm hat Gott einen Menschen geformt, ihm Leben eingehaucht, ihm eine Gefährtin von dessen Fleisch an die Seite gegeben und das Paar in einen wunderschönen Garten gesetzt( Gen 2,4b-2,24). Kaum haben die zwei es sich dort gemütlich gemacht, erwecken sie den Zorn ihrers Erfinders.

Hätte das erste Menschenpaar in die Zukunft blicken können, hätte es gewusst, dass Gott eine bemerkenswert niedrige Frustrationstoleranz besitzt. Der Allmächtige gerät , wie man verschiedentlich lesen kann, erstaunlich leicht in Rage. Man könnte sagen, dass Gott seine Gefühle schlecht im Griff hat und schnell überreagiert.

Auch in unserem Fall. Gott macht ein Riesentheater wegen einer Frucht, die das Menschenpaar von einem Baum gepflückt, den sie nach Gottes Anweisung nicht berühren durften. Das Verbot erscheint jedem Vernünftigen unsinnig. Aber das ist auch so eine Schwäche Gottes. Er macht sich meistens nicht die Mühe, seine Anordnungen zu begründen. Man könnte leicht in Zweifel darüber geraten, ob er der Richtige ist, ein Unternehmen wie das Universum zu führen.

Auf alle Fälle führt der Bagetelldiebstahl des unglücklichen Menschenpaars zu deren fristlosen Kündigung und alsbaldigen Vertreibung aus dem Paradies. Nicht genug, dass Gott die beiden aufs Übelste beschimpft, Gott belegt auch noch sein ganzes schönes, wohlgeordnetes Werk, mit dem er eben noch so sehr zufrieden war, mit einem Fluch. Keine besonders souveräne Entscheidung.

Und die Moral von der Geschichte? Auch Heilige Texte sollte man mit kritischem Verstand lesen.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Was lange währt ...

Nach langer Zeit melde ich mich wieder zurück. Ich habe einen längeren Beitrag als Seite über die Spruchquelle Q geschrieben, das Evangelium, das Matthäus und Lukas in ihren eigenen Werken versteckt haben und das fast ausschliesslich aus Worten Jesu besteht.