Mittwoch, 27. Juli 2011

Hat sich Jesus geirrt?

Diese Frage fand sich kürzlich unter den Suchbegriffen von Lesern, die auf diesem Blog gelandet sind. Es ist eine Frage, die mehr als nur intellektuelle Neugier verrät. Hinter ihr verbirgt sich die eigentliche, die existentielle Frage: Ist im Blick auf Leben, Botschaft und Werk Jesu ein sinnerfülltes Leben heute möglich?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er glaubte das Werk Gottes zu tun, indem er Lahme gehend, Blinde sehend machte und den Armen gottgegebene Würde zusprach, auch wenn sie von den andern wie Dreck behandelt wurden?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er glaubte das Werk Gottes zu tun, indem er Menschen von inneren und äußeren Dämonen befreite und zurück ins Leben führte?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er von den Seinen Verzicht auf materielle Sicherheit forderte im alleinigen Vertrauen auf eine fürsorgliche Kraft, die er Abba nannte? Hat er sich geirrt, wenn er sie schutzlos auf ihre Mission schickte, mit nichts zur Verteidigung als ihrer demonstrativen Wehrlosigkeit?

Hat sich Jesus geirrt, wenn es in seinem Kreis keine Herren und Knechte mehr geben und alle sich auf Augenhöhe begegnen sollten?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er sich in seinem Reden und Handeln von der Vision einer herrschaftsfreien Gesellschaft unter Gottes fürsorglicher Obhut leiten ließ?

Hat sich Jesus geirrt, wenn er darauf setzte, dass Gott dieses Projekt demnächst verwirklichen würde – heute, oder morgen?

Hat sich Jesus vielleicht geirrt, nur weil man ihn schließlich umbrachte?

Jesus hat sich geirrt, wenn es niemand mehr gibt, der sich an ihn erinnert, von ihm erzählt, seine Vision am Leben erhält und sein Werk weiterführt.

Ob sich Jesus geirrt hat, entscheiden wir.

Kommentare:

Annemarie hat gesagt…

Der Mensch, das Risiko Gottes, habe ich mal gelesen.Ob er sich vertan hat, als er uns schuf, entscheiden wir. In der Tat.

Armand Arnold hat gesagt…

Der Mensch, das Risiko Gottes, womit wir wieder bei der Menschwerdnung Gottes landen. Wenn Gott das Risiko auf sich nimmt, dann dürfen wir wohl auch riskieren, Mensch zu werden.