Samstag, 11. September 2010

Lass die Toten ihre Toten begraben

„Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber folge mir nach!“ (Mt 8,22/Lk 9,60). So lautet Jesu Aufforderung auf die Bitte eines Nachfolgewilligen, Jesus möge ihm gestatten, zuerst seinen Vater zu beerdigen. Immerhin eine heilige Pflicht für einen jüdischen Sohn! Jesuanische Lebensart jedoch, ich ziehe diese Formulierung dem herkömmlichen „Nachfolge Jesu“ vor, richtet den Blick nach vorn, nicht zurück. Jesuanische Lebensart ist eine Verpflichtung auf die Zukunft. „Wer die Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, taugt nicht für das Reich Gottes“ (Lk 9,62).

Es werden hier keineswegs moralische Forderungen aufgestellt. Es werden auch nicht die Regeln der Pietät mit Füssen getreten. Hier wird schlicht das Gesetz des Lebens schlechthin auf den Punkt gebracht und es wird vor den Fallstricken gewarnt, die uns am Voranschreiten hindern können. Vermeintliche Loyalität, in bester Absicht aufrecht erhalten, können uns in der Vergangenheit festhalten und das Leben ersticken. Verharre nicht in Deinem Unglück, weil Du glaubst, Dein Glück sei Verrat an Deiner unglücklichen Mutter! Scheitere nicht von Mal zu Mal, weil Du fürchtest, Dein Erfolg bedeute Treulosigkeit Deinem erfolglosen Vater gegenüber. Lass die Toten ihre Toten begraben und verabschiede Dich in Achtung vor Deinen Eltern und lebe Dein Leben!

Es ist dies ein Grundgesetz jesuanischer Lebensart: die Vergangenheit achtungsvoll hinter sich lassen und sich dem zuwenden, was vor einem liegt. Das Reich Gottes wird nicht im Gestern gefunden. Es will im Heute ergriffen werden, damit es sich in die Zukunft hinein entfalten kann. Das Reich Gottes aber ist nichts anderes als die Vitalität des Göttlichen, die alles Sein durchpulst. Es ist auch die hoffnungsfrohe Unbekümmertheit und Narrheit Gottes angesichts der lächerlichen Ernsthaftigkeit aller vermeintlichen Notwendigkeiten und Sachzwänge des Gestern. Jetzt ist die Zeit des Heils.

Kommentare:

klanggebet hat gesagt…

Danke für diese erbaulichen Worte!

Anonym hat gesagt…

Vermeintliche Loyalität, in bester Absicht aufrecht erhalten, können uns in der Vergangenheit festhalten und das Leben ersticken. Verharre nicht in Deinem Unglück, weil Du glaubst, Dein Glück sei Verrat an Deiner unglücklichen Mutter! Scheitere nicht von Mal zu Mal, weil Du fürchtest, Dein Erfolg bedeute Treulosigkeit Deinem erfolglosen Vater gegenüber.

Genau das habe ich immer gemacht.

Danke

Isabelle hat gesagt…

Sehr hilfreich, wunderbar formuliert
Danke
isabelle

Anonym hat gesagt…

Diese Worte Jesu, haben eine sehr tiefe Bedeutung.
Lass die Toten ihre Toten begraben,
heißt ja auch, das viele die leben,
tot sind.

Sebastian hat gesagt…

Diese Auslegung geht komplett am Ziel vorbei. Hier geht es nicht um den Umgang mit einem Trauerfall, und es geht auch nicht und den Umgang mit den eigenen Eltern, um Loyalität, und schon gar nicht um einen erfolgreichen Lebensweg. "Verabschiede dich von deinen Eltern und Lebe dein Leben"? Entschuldigen Sie, aber das ist so oberflächlich und inhaltlich falsch, wie nur möglich. Man muss schon den gesamten biblischen Kontext beachten. Der HERR lehrt und verlangt Selbstverleugnung, keine Selbstverwirklichung! Und dieser Vers veranschaulicht drastisch und bildlich, wie Gott Gottlose sieht: Sie sind für ihn nicht minder tot wie Leichen! Nicht-wiedergeborene Menschen ohne geistliches Leben führen für ihn nur eine biologische Existenz. Sie brauchen eine Wiedergeburt, ansonsten gehen sie nach ihrer irdischen Existenz auf ewig verloren. Wir Menschen sehen diesen Unterschied nicht, weil wir meist nach dem Äußeren gehen, daher weist der HERR mit einem mehr als deutlichem Bild darauf hin. Leichen und Ungläubige sind für ihn absolut vergleichbar. Nach seiner natürlichen Geburt braucht jeder Mensch die Wiedergeburt, über die der HERR nicht Nikodemus spricht, um wirkliches Leben zu erhalten.

"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich."

"Wer den Sohn hat, hat das Leben. Wer den Sohn nicht hat, hat das Leben nicht."

Diese Wohlfühl-Lebensphilosophie, bei der es um eigene Wünsche und ein erfolgreiches Leben geht, lässt sich wie gesagt nicht nur aus dem hier behandelten Vers nicht herleiten, sie steht in krassem Widerspruch zur biblischen Lehre.

Anonym hat gesagt…

Danke Sebastian!
Genauso ist es, der Mensch muss wiedergeboren werden aus Gott. sonst kann er das Reich Gottes überhaupt nicht verstehen, und bleibt innerlich total unruhig!

Anonym hat gesagt…

... Der HERR lehrt und verlangt Selbstverleugnung, keine Selbstverwirklichung! ...

Nur so hineingedacht: Wenn ich davon ausgehe, dass alles in Verbundenheit ist (s.a.östliche Religionen oder Quantenphysik), dann ist das "Ich-hafte" Selbst eine Illusion und somit sind Selbsverleugnung wie Selbstverwirklichung illusionäre Gedanken, die das illusionäre Selbst denkt, um sich zu erhalten. So wird das einzig wahre Gebet, das Gebet der Stille (kein Wort, kein Gedanke, ...) zur potenziellen Begegnung mit dem, was wir in der christlichen Tradition Gott nennen.
Aber natürlich ist auch das nur ein Gedanke, ein Konzept

Stefan G. Weinmann hat gesagt…

Jesus Christus und Val Thor zum Tod...., lasst die Toten die Toten begraben....., gibt es den Tod überhaupt !? http://templerhofiben.blogspot.de/2014/12/morgen-gednkfeier-fur-rolf-wieser-axel.html

Anonym hat gesagt…

Illusion oder nicht - wir GLAUBEN ein Selbst zu haben. Aus diesem Glauben heraus kommt der Wunsch der Selbstverwirklichung. Das steht aber im Kontrast mit dem was Gott durch uns und in unserem Leben machen könnte. Deswegen sagt Jesus, dass wir uns selbst verleugnen sollen. Das heißt frei von sich selbst zu sein (was du mit leere meinst'kein Wort, kein Gedanke') aber es geht ja noch weiter! Leere ist dazu da um gefüllt zu werden - mit Gott.
Bsp. Ich kann nicht die Bibel lesen, wenn ich voll von mir bin. Stattdessen öffne ich mein Herz für die Gute Botschaft und lasse mich fluten von Gott, von seiner Liebe, von seiner Stärke, von seiner Weisheit, von seinem Sieg... Und kann so ein heiliges Leben führen, was Gott gefällt und wodurch ich anderen Menschen ein Segen bin. Wäre ich nur leer könnte ich das nicht.